Mobbing im Verein oder Ehrenamt – die unterschätzte Gefahr

Einleitung


Viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit für Vereine, Gruppen oder ehrenamtliche Projekte. Sie tun das freiwillig und mit viel Herzblut. Eigentlich sollte dort ein gutes Miteinander herrschen. Doch leider ist das nicht immer so.

Auch im Ehrenamt oder im Verein kann es Mobbing geben. Es wird nur selten darüber gesprochen. Viele Betroffene schämen sich oder wissen nicht, was sie tun sollen. Oft denken andere: „Das gibt es doch nur in der Schule oder am Arbeitsplatz!“ Aber das stimmt nicht.

In diesem Artikel zeige ich, wie Mobbing im Ehrenamt oder Verein aussehen kann, warum es passiert und was man dagegen tun kann.

Gruppeninteraktion und Isolation in einem Gemeinschaftsraum bei einem sozialen Event.
Gruppeninteraktion und Einsamkeit zeigen die sozialen Dynamiken auf einem Gemeinschaftsevent.


Was ist Mobbing?


Mobbing bedeutet: Jemand wird über längere Zeit unfair behandelt. Die Person wird immer wieder geärgert, ausgeschlossen oder beleidigt. Oft passiert das heimlich oder auf eine „stille“ Art.

Mobbing ist kein einmaliger Streit. Es geht um ständiges, gezieltes Verhalten, das eine Person verletzt oder klein macht.


Beispiel 1: Anna im Sportverein


Anna ist seit 5 Jahren Mitglied in einem kleinen Sportverein. Sie hilft ehrenamtlich mit – bei der Organisation von Veranstaltungen, beim Training, überall dort, wo Hilfe gebraucht wird.

Seitdem ein neuer Vorsitzender gewählt wurde, läuft es nicht mehr gut. Die Vorsitzende spricht kaum noch mit Anna. Bei Sitzungen wird Anna oft übergangen. Ihre Vorschläge werden ignoriert. Manchmal lacht die Gruppe sogar über ihre Ideen.

Privat bekommt Anna Nachrichten von anderen Mitgliedern: „Du bist viel zu laut.“ Oder: „Mach dich nicht so wichtig.“ Immer mehr Aufgaben werden ihr weggenommen, ohne Erklärung.

Anna fühlt sich traurig, hilflos und wertlos. Sie überlegt, den Verein zu verlassen – obwohl sie früher gern geholfen hat.


Warum wird Mobbing im Verein oft nicht erkannt?


Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz ist vielen bekannt. Aber in einem Verein denken viele: „Wir sind doch alle freiwillig hier – warum sollte jemand gemein sein?“

Genau das ist das Problem. Niemand erwartet Mobbing im Ehrenamt. Viele Betroffene glauben zuerst, sie seien selbst schuld. Oder sie wollen den Verein nicht „schlecht dastehen lassen“. Auch andere Mitglieder sagen oft: „Stell dich nicht so an“ oder „Das war doch nicht so gemeint“.

Ein weiterer Grund: In Vereinen gibt es selten klare Regeln, wie mit Konflikten umgegangen wird. Es gibt keine Chefs wie in Firmen. Wenn eine Gruppe jemanden ausschließt, ist oft niemand da, der einschreitet.


Beispiel 2: Mehmet beim Kulturprojekt


Mehmet engagiert sich ehrenamtlich bei einem Kulturprojekt für Jugendliche. Er kümmert sich um Technik und Veranstaltungen.

Nach einigen Monaten merkt er: Manche Ehrenamtliche reden hinter seinem Rücken. Sie sagen, er sei „nicht kreativ genug“ oder „nicht zuverlässig“. Bei Projekten wird er oft zuletzt informiert. Auf Bildern wird er bewusst nicht gezeigt. In WhatsApp-Gruppen wird er ausgelacht, wenn er etwas schreibt.

Einmal spricht er das Thema an. Die Antwort: „Du bist zu empfindlich. Das ist doch nur Spaß.“

Doch für Mehmet ist es kein Spaß. Es macht ihn krank. Er hat Schlafprobleme und denkt ständig an die verletzenden Situationen. Schließlich verlässt er das Projekt – enttäuscht und verletzt.


Was sind die Folgen von Mobbing im Ehrenamt?


Die Auswirkungen können sehr ernst sein – für die betroffene Person und für den Verein:

Für Betroffene:

  • Stress, Schlafprobleme, Angst
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Rückzug aus dem sozialen Leben
  • Verlust von Freude und Motivation

Für den Verein:

  • Verlust von engagierten Helfer*innen
  • Schlechte Stimmung im Team
  • Weniger neue Mitglieder
  • Rufschaden, wenn das Mobbing öffentlich wird


Warum entsteht Mobbing im Ehrenamt?


Mobbing hat oft mit Macht, Angst oder Unsicherheit zu tun. Einige mögliche Gründe:

  • Machtspiele: Manche Menschen wollen bestimmen, wer „dazugehört“.
  • Neid: Neue Mitglieder bringen frische Ideen – das gefällt nicht allen.
  • Unklare Strukturen: Es gibt keine klaren Regeln, wer was entscheidet.
  • Angst vor Veränderung: Wenn jüngere oder andere Menschen dazukommen, fühlen sich manche bedroht.
  • Gruppenzwang: Wer anders ist, wird schnell ausgeschlossen.


Was kannst du tun, wenn du betroffen bist?


Wenn du merkst, dass du im Verein oder Ehrenamt unfair behandelt wirst, kannst du folgende Schritte gehen:

1. Schreibe mit, was passiert.

  • Notiere dir Vorfälle mit Datum und Inhalt.
  • So kannst du später besser erklären, was du erlebt hast.

2. Sprich mit jemandem.

  • Suche eine Person im Verein, der du vertraust.
  • Manchmal hilft ein offenes Gespräch, um Missverständnisse zu klären.

3. Grenze dich ab.

  • Du musst nicht alles mit dir machen lassen.
  • Wenn dich etwas verletzt, darfst du das sagen.

4. Hole dir Unterstützung.

  • Es gibt Beratungsstellen für Ehrenamtliche und Mobbing-Betroffene.
  • Auch Freunde oder Familie können helfen.

5. Ziehe Konsequenzen, wenn nötig.

  • Manchmal hilft alles nichts – dann ist ein Austritt besser für dich.
  • Du darfst dich selbst schützen. Dein Wohlbefinden ist wichtiger als der Verein.


Was können Vereine gegen Mobbing tun?


Vereine und Organisationen können viel tun, um ein gutes Miteinander zu fördern:

1. Klare Werte und Regeln aufstellen

  • Zum Beispiel einen Verhaltenskodex oder Leitlinien.
  • So wissen alle, was erwünscht ist – und was nicht.

2. Verantwortliche benennen

  • Eine Vertrauensperson oder ein kleines Team für Konfliktfälle
  • Damit sich Betroffene nicht allein fühlen.

3. Offene Gespräche fördern

  • Feedbackrunden, Teamsitzungen mit guter Gesprächskultur
  • Alle sollen sich sicher fühlen, ihre Meinung zu sagen.

4. Schulungen anbieten

  • Zum Beispiel: Was ist Mobbing? Wie geht man mit Konflikten um?
  • Gerade für Leitungen oder Vorstände wichtig


Fazit


Mobbing im Ehrenamt oder Verein passiert öfter, als viele denken. Es ist kein „Luxusproblem“. Es kann Menschen tief verletzen und ganze Teams zerstören.

Darum ist es wichtig, hinzusehen, zuzuhören und aktiv zu handeln – als Betroffene, als Mithelfende, als Leitung.

Denn Ehrenamt soll verbinden, nicht trennen. Es soll Freude machen, nicht belasten.

Wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass alle mit Respekt behandelt werden, kann Ehrenamt wirklich etwas verändern – im Leben der Einzelnen und in unserer Gesellschaft.


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