Warum zahlen die Österreicher einen genehmigten Aufschlag für Lebensmittel?
In Österreich zahlen Konsument:innen für viele Lebensmittelprodukte einen sogenannten „Österreich-Aufschlag“ – einen Preisaufschlag, der über dem EU-Durchschnitt liegt. Dieser Aufschlag ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, die von der Europäischen Union (EU) genehmigt wurden. Doch was steckt dahinter? Warum ist dieser Aufschlag erlaubt, und welche Produkte sind betroffen?



Was ist der „Österreich-Aufschlag“?
Der Begriff „Österreich-Aufschlag“ bezeichnet die höheren Preise, die Konsument:innen in Österreich für bestimmte Lebensmittelprodukte zahlen müssen, im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Dieser Aufschlag ist nicht willkürlich, sondern basiert auf politischen Entscheidungen, die von der EU genehmigt wurden. Diese Entscheidungen beinhalten oft staatliche Förderungen oder Subventionen, die den Produzent:innen helfen, höhere Qualitätsstandards zu erreichen.
EU-genehmigte Aufschläge: Warum sind sie erlaubt?
Normalerweise verbietet das EU-Recht staatliche Beihilfen, die den Wettbewerb verzerren könnten. Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn solche Beihilfen dem öffentlichen Interesse dienen. Österreich hat in mehreren Fällen erfolgreich argumentiert, dass höhere Qualitätsstandards in der Lebensmittelproduktion – wie etwa bessere Tierwohlbedingungen oder umweltfreundlichere Anbaumethoden – im öffentlichen Interesse liegen. Die EU-Kommission hat diesen Argumenten zugestimmt und entsprechende Förderungen genehmigt. BMASGK
Beispiele für Produkte mit genehmigtem Aufschlag
1. Milchprodukte
In Österreich gibt es strenge Vorschriften für die Milchproduktion, die über die EU-Mindestanforderungen hinausgehen. Dazu gehören höhere Anforderungen an die Tierhaltung und die Fütterung. Um diese Standards zu erreichen, erhalten österreichische Milchproduzent:innen staatliche Förderungen, die es ihnen ermöglichen, höhere Preise für ihre Produkte zu verlangen.
2. Fleischprodukte
Auch in der Fleischproduktion gelten in Österreich strengere Vorschriften, insbesondere in Bezug auf den Tierschutz. Diese höheren Standards führen zu höheren Produktionskosten. Durch staatliche Förderungen können Produzent:innen diese Kosten decken und höhere Preise für ihre Produkte verlangen.
3. Bio-Produkte
Österreich ist bekannt für seine hohe Bio-Quote. Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft erfordert Investitionen in neue Anbaumethoden und Zertifizierungen. Der Staat unterstützt diese Umstellung durch Förderungen, die es den Produzent:innen ermöglichen, höhere Preise für ihre Bio-Produkte zu verlangen.
4. Regionale Produkte mit Herkunftsschutz
Produkte wie der „Steirische Kürbiskern“ oder der „Tiroler Speck“ haben in Österreich einen Herkunftsschutz. Dieser Schutz garantiert die Qualität und Herkunft der Produkte, führt aber auch zu höheren Produktionskosten. Durch staatliche Förderungen können Produzent:innen diese Kosten decken und höhere Preise verlangen.

Vorteile des Österreich-Aufschlags
- Höhere Qualität: Die höheren Preise ermöglichen es Produzent:innen, in bessere Produktionsmethoden zu investieren, was zu hochwertigeren Produkten führt.
- Umweltschutz: Strengere Vorschriften fördern umweltfreundlichere Anbaumethoden und eine nachhaltigere Landwirtschaft.
- Tierschutz: Höhere Standards in der Tierhaltung verbessern das Wohl der Tiere.
- Regionale Wirtschaft: Durch die Förderung regionaler Produkte wird die lokale Wirtschaft gestärkt.
Kritik am Österreich-Aufschlag
Trotz der genannten Vorteile gibt es auch Kritik am Österreich-Aufschlag:
- Höhere Preise für Konsument:innen: Die höheren Preise können insbesondere für einkommensschwächere Haushalte eine Belastung darstellen.
- Wettbewerbsnachteile: Produkte aus anderen EU-Ländern, die niedrigere Standards haben, können in Österreich zu günstigeren Preisen angeboten werden, was zu Wettbewerbsnachteilen für heimische Produzent:innen führen kann.
- Transparenz: Nicht immer ist für Konsument:innen nachvollziehbar, warum bestimmte Produkte teurer sind als andere.

Fazit
Der „Österreich-Aufschlag“ ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, die von der EU genehmigt wurden. Diese Entscheidungen zielen darauf ab, höhere Qualitätsstandards in der Lebensmittelproduktion zu fördern. Während dies zu hochwertigeren Produkten und positiven Effekten für Umwelt und Tierschutz führt, bringt es auch höhere Preise für Konsument:innen mit sich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion um den Österreich-Aufschlag in Zukunft entwickeln wird.
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